Künzelsau,
08
April
2024
|
12:09
Europe/Amsterdam

Besuchermagnet Holbein-Madonna in der Ausstellung „Alte Meister in der Sammlung Würth“ in Schwäbisch Hall

Zusammenfassung

Die „Schutzmantel-Madonna“ von Hans Holbein dem Jüngeren bildet den Höhepunkt der eindrucksvollen Ausstellung „Alte Meister in der Sammlung Würth“ in Schwäbisch Hall. Die auf Nadelholz gemalte Tafel entstand 1526/28 und wurde von Kunsthistorikern immer wieder mit der Sixtinischen Madonna von Raffael verglichen. Holbein gelang mit diesem Gemälde der Durchbruch der Nördlichen Malerei von der Gotik in die Renaissance.

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Seit 2008, als die Johanniterkirche in der Altstadt von Schwäbisch Hall als Ausstellungshaus für die Alten Meister der Sammlung Würth feierlich wiedereröffnet wurde, strahlt das preisgekrönte Gebäude ungebrochene Anziehungskraft aus. Dies belegt unter anderem die Vielzahl an Besucherinnen und Besucher, die bislang begrüßt werden konnten. Das berühmteste Exponat, die sogenannte Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren, fand im ehemaligen Chor des säkularisierten Kirchengebäudes seine Heimstatt.

1. Holbein-Madonna und Sammlung Alter Meister in der Sammlung Würth
Vor knapp 500 Jahren schuf Hans Holbein der Jüngere (*1497/98 in Augsburg – 1543 London) in Basel sein Meisterwerk, die »Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen« (gen. »Darmstädter Madonna«). Ihren Weltruhm verdankt die Tafel, die mit der Sixtinischen Madonna von Raffael verglichen wird, zu gleichen Teilen ihrer langen und komplexen Entstehungsgeschichte, der genialen kühnen Bilderfindung Holbeins, wie auch ihrem höchst ungewöhnlichen späteren Schicksal. Die mit einem Halbkreis nach oben hin abgeschlossene Tafel zeigt die stehende Gottesmutter mit dem Christuskind im Arm in einer mächtigen Muschelnische. Ihr weit geöffneter Umhang, der sie als sogenannte Schutzmantelmadonna ausweist, beschirmt die zu ihren Füßen knienden Figuren. Neben anderen herausragenden Meisterwerken des ausgehenden Mittelalters aus der Sammlung Würth, z. B. von Lucas Cranach d. Ä., Tilman Riemenschneider oder dem Meister von Messkirch, befindet sich hier auch ein Werk Hans Holbeins d. Ä., des Vaters von Hans Holbein d. J. .

Der Kernbestand der Kollektion Alter Meister, die sich der Kunst des deutschen Südwestens – einschließlich des Bodenseeraumes und der Nordschweiz – vom ausgehenden Mittelalter bis zur beginnenden Neuzeit widmet, bildet der 2003 von Reinhold Würth erworbene ehemals Fürstlich Fürstenbergische Bilderschatz Donaueschingen. Die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung dieses Konvoluts ist alleine schon deswegen so hoch einzuschätzen, weil die meisten Tafelbilder einer Zeit entstammen, aus der aufgrund des in Schwaben besonders radikal durchgeführten Bildersturmes nur äußerst selten Bilddokumente überliefert sind. Erhalten haben sich zum Beispiel die phänomenale Familie der Naturmenschen Lucas Cranachs d. Ä. und ein ganzes Konvolut aus seiner Werkstatt mit religiösen Szenen, profanen Lehrstücken und Portraits. Hervorzuheben sind aber auch ein um 1441/42 datiertes Konstanzer Bildnis des Ehepaares Wilhelm IV. Graf Schenk von Schenkenstein und Agnes Gräfin von Werdenberg-Trochtelfingen – das früheste bekannte Doppelporträt der altdeutschen Tafelmalerei – und zahlreiche Tafelbilder des Meisters von Meßkirch oder die Tafeln des Antonius-Retabels des Zürcher Veilchenmeisters.

Sowohl auf dem Gebiet der Tafelmalerei als auch der Skulptur, etwa mit qualitätvollen Beispielen von Tilman Riemenschneider, Daniel Mauch oder dem näheren Umkreis des Hans Multscher, wurde dieser Bestand sinnstiftend ergänzt. Gemeinsam mit den Werken des ehemals Fürstlich Fürstenbergischen Bilderschatzes bilden die Neuerwerbungen mit der profanierten Kirche eine glanzvolle Einheit.

2. Die Johanniterkirche

Die Johanniterkirche, ein säkularisiertes Kirchengebäude aus dem 12. Jahrhundert, zählt zu den herausragenden Kulturdenkmalen in Schwäbisch Hall. Ihre Sanierung umfasste den Einbau von Technik nach höchsten musealen Standards sowie die denkmalgerechte Restaurierung des originalen liegenden gotischen Dachstuhls von 1400/01, der sich als ältester seiner Art in Süddeutschland erwies. Dekorelemente wurden freigelegt und gereinigt, die Natursteinfassade restauriert, die Gewölberippen des Chors und die Gewände der Maßwerkfenster im Innenraum konservatorisch behandelt und der Dachstuhl freigelegt, um das Gebäude wieder in seiner ursprünglichen Gestalt, Schönheit und Qualität erlebbar werden zu lassen. Ein moderner Anbau aus Glas, Stahl und regionalem Sandstein erfüllt alle notwendigen Anforderungen zur Besucherlogistik für ein Museum. Dieser in zeitgemäßer Formensprache ausgeführte Kubus respektiert die Dominanz der historischen Johanniterkirche. Verantwortlich für den Neubau zeichnete das Stuttgarter Architekturbüro Erich H. Fritz. Der Bau wurde im Jahr 2011 mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet. Die Johanniterkirche trägt maßgeblich zur Belebung der Schwäbisch Haller Altstadt bei. Sie bietet ca. 350 Quadratmeter Grundfläche und etwa 150 laufende Meter Hängefläche. Die Johanniterkirche ist täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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