Künzelsau,
08
Januar
2026
|
09:43
Europe/Amsterdam

Würth-Preis für Europäische Literatur für Hervé Le Tellier

Zusammenfassung

Der 15. Würth-Preis für Europäische Literatur geht an den französischen Schriftsteller Hervé Le Tellier. Der Autor erhält die Auszeichnung der Stiftung Würth „für die Intensität, mit der er in seinem weitgespannten Werk Ausnahmezustände der menschlichen Existenz zur Sprache bringt und die Originalität, mit der er Formexperimente der modernen Literatur aufgreift und fortentwickelt“, würdigt die Jury. „Le Tellier ist ein Meister der Verknüpfung und Anspielung und des Spiels mit literarischen Genres.“ Die Stiftung Würth verleiht die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung im April 2026 im Carmen Würth Forum in Künzelsau. 

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Hervé Le Tellier wurde 1957 in Paris geboren. Er studierte Mathematik, ist promovierter Linguist, arbeitet als Journalist u. a. für Le Monde und schreibt für Theater, Oper und Film. Er ist seit 1992 Mitglied und seit 2019 Präsident der Gruppe OuLiPo, einem Kreis von experimentellen Autoren, dem auch Italo Calvino, Oskar Pastior und Georges Perec angehörten. Er veröffentlichte Romane, Erzählungen, Gedichte, Comics und zahlreiche Kolumnen. Für seinen Roman „L'Anomalie“ erhielt er 2020 den Prix Goncourt. „Ein typischer Le Tellier ist ein Le Tellier, der dem vorherigen Le Tellier nicht gleicht“, sagte sein Übersetzer Jürgen Ritte im Interview mit DLF Kultur. So spielt der Beziehungsroman „Kein Wort mehr über Liebe“ im Pariser Intellektuellenmilieu. „Neun Tage in Lissabon“ folgt einem französischen Journalisten in die portugiesische Hauptstadt. In „Ich und der Präsident“ schreibt ein Erzähler namens Le Tellier Briefe an den französischen Präsidenten, „ein so subtiles wie unterhaltsames Lesevergnügen“ (Süddeutsche Zeitung). In dem autobiografischen Roman „All die glücklichen Familien“ blickt er kritisch und melancholisch auf die eigene Familie.

Seine jüngste Erzählung „Der Name an der Wand“ spielt in der französischen Provinz, nicht weit von Dieulefit, einem Ort, in dem die französische Résistance besonders aktiv war. Der Autor kauft dort ein Haus und entdeckt in die Wand geritzt den Namen eines jungen Widerstandskämpfers. Auf der Suche nach André Chaix entdeckt der Autor weitere Zeugnisse eines Lebens, das im August 1944 brutal endet. Chaix ist zwanzig Jahre alt, als er durch Schüsse aus einem deutschen Panzerwagen getötet wird. Le Tellier erzählt nicht nur diese erschütternd kurze Lebensgeschichte, sondern zugleich eine Geschichte der Résistance, des Lebens unter der Okkupation, berichtet von Filmen, Musik und Alltag der 1940er Jahre und den verborgenen Zusammenhängen mit unserer Gegenwart, von der deutsch-französischen Geschichte und von Europa, wie wir es heute erleben. Es ist kein Roman über einen Helden, aber ein Buch über Mut.  

Über den Würth-Preis für Europäische Literatur 

Der mit 25.000 Euro dotierte Würth-Preis für Europäische Literatur wird alle zwei Jahre vergeben. Der Jury unter Vorsitz von C. Sylvia Weber, Intendantin Kultur bei Würth und Aufsichtsrätin der Stiftung Würth, gehören an: Prof. Dr. Dorothee Kimmich, Prof. Dr. Lothar Müller, Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Raulff, Denis Scheck, Marie Schmidt und der Preisträger des Würth-Preises für Europäische Literatur 2024, Colm Tóibín. 

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger: 
• 2024 Colm Tóibín 
• 2022 Annie Ernaux 
• 2020 David Grossman 
• 2018 Christoph Ransmayr 
• 2016 Peter Handke 
• 2014 Péter Nádas 
• 2012 Hanna Krall 
• 2010 Ilija Trojanow 
• 2008 Peter Turrini 
• 2006 Herta Müller 
• 2004 Harald Hartung 
• 2002 Claude Vigée 
• 2000 Claudio Magris 
• 1998 Hermann Lenz

Über die Stiftung Würth 

Die gemeinnützige Stiftung Würth wurde 1987 von Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold und Carmen Würth in Künzelsau gegründet und fördert Projekte in den Bereichen Bildung und Wissenschaft, Soziales und Integration sowie Kunst und Kultur.

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