Künzelsau,
24
Januar
2022
|
16:15
Europe/Amsterdam

Neue Ausstellung „Ugo Dossi: Zeichen“ im Museum Würth

Zusammenfassung

Ungewöhnlich für einen zeitgenössischen Künstler: Der mehrfache Biennale- und Documenta-Teilnehmer Ugo Dossi (*1943) setzt sich mit altägyptischer Kunst auseinander. In Zeichnungen, Skulpturen und Hologrammen verbindet der deutsche Maler und Objektkünstler altägyptische Zeichen mit heutigen Bildwelten – und forscht dabei nach einer allgemeingültigen Bildsprache. Das Museum Würth in Künzelsau präsentiert bis 3. Juli 2022 die große Werkschau „Ugo Dossi: Zeichen“. 

Mit rund 85 Werken, vorrangig aus den vergangenen Jahren, hat Dossi diese Ausstellung im Kontext neuester Werkentwicklungen eigens auf das Museum Würth hin konzipiert.

Zu sehen sind kraftvolle, plastische Großportraits wie etwa „Nefer/IR“ (2019), ein von Dossi mittels Malerei und leuchtendem holografischem Material geschaffenes Antlitz der Nofretete als beeindruckende Bild-Metapher für Vollkommenheit. An die zwei Meter hoch, entfaltet die Arbeit erst ihre volle dreidimensionale Wirkung, wenn man ein paar Schritte zur Seite tritt.

Auch in der Serie „Calix“, Pokalen aus Marmor und Granit, formuliert Dossi das Portraitieren neu. Die Gefäß-Skulpturen fungieren als Vexierbilder, die man wahlweise als Kelch oder Gesicht wahrnimmt. Lassen sich die Museumsgäste beim Rundgang auf das Vexierspiel ein, erwacht etwa aus den Linien des Objektes „Nofretete“ (2020) plötzlich ebenfalls die Profilansicht der weltberühmten Königin.

„Zwar sind auch Ugo Dossis Bilder von außen zu betrachten, doch sie wollen gewissermaßen nur ein Einstieg in das eigentliche Bild sein, das sich dem inneren Auge der Betrachtenden erschließt“, sagt die Direktorin der Sammlung Würth C. Sylvia Weber. „Wir freuen uns sehr, dass wir für diese Ausstellung auf die private Sammlung von Carmen Würth zurückgreifen durften. Sie war es, die uns auf Dossi aufmerksam machte. Wenn aus seinem Werk die Jahrtausende alte, von ihm fortgeschriebene Zeichenwelt der alten Ägypter aufleuchtet, erleben wir, dass uns dies auch heute noch viel zu sagen hat.“ 

Erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen ist Dossis erst jüngst entstandenes „Alphabet der Archeogramme“ (2021), 28 schwarz-weiße Doppelzeichen, gedruckt auf weißes Büttenpapier. Sie sind Teil einer Werkreihe, die Dossi „Rebis“ nennt (vom lateinischen „res bina“, die zweifache Sache).  Darin verbindet der Münchner Elemente aus der Welt der Hieroglyphen mit eigenen, grafisch radikal reduzierten Zeichen und erschafft daraus zeitgenössische und zugleich zeitlose Bilderrätsel, deren Sinn die Betrachterinnen und Betrachter sich assoziativ erschließen können. „Radikal zu Strichzeichen reduziert, direkt und ohne Vorwissen erkennbar, wecken sie innere Bilder, die positiv stimmen und Kraft freisetzen“, ist der 78-Jährige überzeugt. 

Als typisch für Ugo Dossis Werk gilt nicht zuletzt das Ausleuchten von Darstellungsformen des Grenzenlosen, so etwa in den Großformaten „Portal“ (2021), einem gestirnten Tor zu einem in die Tiefe, ins Innere führenden Wirbel, und „Kommen + Gehen, woher? x wohin?“ (2017), wiederum zwei Wirbel, jedoch ineinander gespiegelt. Wie zahlreiche Werke in der Schau ziehen sie den Blick in die Tiefe und vermitteln ein einzigartiges Gefühl des Unendlichen. „Kunst ist ein Werkzeug der Telepathie. Ich bin kein Maler. Ich gestalte innere Bilder. Sie sind immer das eigentliche Kunstwerk“, erklärt dazu Ugo Dossi, von Kunstkritikern „Magier“ getauft. „Nicht der Raum, der uns umgibt, sondern der Raum, der uns verborgen ist, fasziniert mich.“

Ugo Dossi

Ugo Dossi (geb. 1943) studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Accademia di Brera in Mailand. Seine Installationen wurden schon 1977 auf der documenta 6 und 1987 auf der documenta 8 in Kassel gezeigt, 1986 und 2011 auf den Biennalen von Venedig sowie in zahlreichen Einzelausstellungen in internationalen Museen. Nach zahlreichen Lehraufträgen, u.a. am Bauhaus in Dessau, war er von 1997 bis 1999 Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ugo Dossi lebt und arbeitet in München, Murnau und in seinem Atelier in den italienischen Dolomiten.

Kunst bei Würth

Kunst und Kultur gehören untrennbar zur Würth-Gruppe. Ob bildende Kunst, Literatur, Musik oder andere Kunstformen: Ihre starke Präsenz ist Ausdruck der Unternehmenskultur. Die von Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth aufgebaute Sammlung Würth umfasst mehr als 18.500 Kunstwerke, vor allem Malerei und Skulptur. Bei freiem Eintritt präsentiert sich die Sammlung in fünf Museen in Deutschland sowie in zehn Kunstdependancen an Unternehmenssitzen der europäischen Gesellschaften. Das Museum Würth in Künzelsau, Baden-Württemberg, am Hauptsitz der Würth-Gruppe, entstand 1991 als weltweit erstes Ausstellungshaus integriert in eine Konzernzentrale.

Unternehmen

Kunst & Kultur