Künzelsau,
21
September
2022
|
20:02
Europe/Amsterdam

Studie zeigt: Wirtschaftsunterricht fördert ökonomische Kompetenzen von Jugendlichen

Zusammenfassung

Wie wirkt sich das Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung auf die ökonomischen Kompetenzen und die Einstellungen von Schülerinnen und Schülern auf wirtschaftliche Sachverhalte aus? Eine Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Günther Seeber und Jun.-Prof. Dr. Tim Kaiser von der Universität Koblenz-Landau liefert erstmals empirische Ergebnisse zu dieser Frage. 

Die Befragung von insgesamt 10.727 Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 7 bis 10 an Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie an Gymnasien in Baden-Württemberg wurde von der Stiftung Würth initiiert und finanziert. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg unterstützte bei der Durchführung der Studie, MTO Psychologische Forschung und Beratung GmbH Tübingen begleitete die Erhebung. 

Ziel der Studie war, die Wirkung des Fachs Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung (WBS) auf ökonomische Kompetenzen und die Einstellungen der Jugendlichen zu wirtschaftlichen Themen sowie ihr Verhalten zu evaluieren. Die Ergebnisse können nach Schulart und Klassenstufe ausgewertet werden. Die Studie liefert Hinweise auf Zusammenhänge zwischen dem Kompetenzniveau und vielerlei weiterer Variablen, wie Geschlecht oder Bildungshintergrund der Eltern. Außerdem ist ein Vergleich zwischen den Kompetenzen, dem Fachwissen und den Einstellungen der Schülerinnen und Schüler mit und ohne Unterricht im Fach WBS möglich. 

Wesentliche Ergebnisse der Studie 

Wirtschaftskompetenz und Faktenwissen 
Das Schulfach WBS hat einen positiven Effekt auf das Wissen und die Fähigkeiten der Jugendlichen. Das höhere Niveau an ökonomischer Kompetenz der Schülerinnen und Schüler, die nach dem Bildungsplan 2016 unterrichtet wurden, ist tendenziell bei allen untersuchten Schularten zu erkennen und fällt im Gymnasium am größten und eindeutigsten aus. Darüber hinaus wurde erforscht, wie viel junge Menschen über wirtschaftliche Themen wissen. Auch hier zeigen die Ergebnisse tendenziell positive, wenn auch weniger starke Effekte des Schulfachs. 

Interesse und Einstellungen 
Das Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung stärkt das Interesse der Jugendlichen an Wirtschaftsthemen. Es sind jedoch keine oder nur sehr kleine Effekte auf normative Einstellungen erkennbar, d.h. profitmaximierendes Verhalten von Unternehmen in sozial kritischen Szenarien wird von Schülerinnen und Schülern gleichermaßen bewertet, unabhängig vom Fachunterricht in WBS. Eine indoktrinierende Wirkung des Schulfachs zugunsten einer marktradikalen Haltung, wie sie von Kritikern eines eigenständigen Wirtschaftsunterrichts befürchtet wird, ist also nicht erkennbar. 

Finanzverhalten und ökonomische Präferenzen 
Ökonomische Kompetenzen hängen mit finanziellem Verhalten der Lernenden zusammen. Jedoch zeigen die Analysen, dass das Schulfach WBS keine signifikante Verhaltensänderung (z.B. auf das Sparverhalten) der Schülerinnen und Schüler hervorruft. 

Design der Studie 

Um die Effekte des Schulfachs WBS auf ausgewählte Variablen zu erforschen, wurden zwei Schülergruppen untersucht, wobei eine Kohorte Fachunterricht in Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung nach dem Bildungsplan 2016 erhielt, während die andere Gruppe nach dem bisherigen Bildungsplan unterrichtet wurde, in dem Wirtschaft in einen Fächerverbund integriert war. Die Befragungen wurden beginnend mit dem Schuljahr 2017/18 im Jahresrhythmus durchgeführt. „Die Vorgehensweise dieser Studie haben wir an die großen Kompetenzstudien, wie PISA, angelehnt. Die Aufgaben wurden so gestellt, dass sie dazu auffordern, die Folgen ökonomischer Entscheidungen zu analysieren und zu bewerten“, sagt Jun.-Prof. Dr. Tim Kaiser zur Konzeption der Studie. 

Intention und Zielsetzung der Studie 

Seit vielen Jahren engagiert sich Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, für die Stärkung der ökonomischen Bildung an baden-württembergischen Schulen und hat dieses Anliegen als Initiator des Kompetenzzentrums Ökonomische Bildung Baden-Württemberg strukturell in der Stiftung Würth verankert. „Die Einführung des Fachs Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung mit dem Bildungsplan 2016 war eine hervorragende Gelegenheit, empirische Erkenntnisse zu gewinnen, die die Diskussion um ein eigenständiges Fach Wirtschaft bereichern“, konstatiert Harald Unkelbach, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Würth. 

Einordnung der Ergebnisse 

Die vorliegende Studie ist die bislang umfangreichste Befragung von Schülerinnen und Schülern in Deutschland in der ökonomischen Bildung. Staatssekretär Volker Schebesta MdL ordnet die Ergebnisse positiv ein: „Die deutlichen Kompetenzzuwächse und das gestiegene Interesse der Schülerinnen und Schüler an ökonomischen Themen zeigen, dass die Einführung des Fachs Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung wichtig war. Wir sehen, dass das Fach einen wichtigen Beitrag leistet, um die Schülerinnen und Schüler auf die Zukunft vorzubereiten“. Wertvoll sind die Ergebnisse über Baden-Württemberg hinaus. „Die Wirtschaftskompetenzstudie liefert wichtige Erkenntnisse zur Evidenzbasierung in der bildungspolitischen Debatte um ein eigenständiges Fach Wirtschaft“, so Prof. Dr. Günther Seeber. 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.wiko.uni-landau.de 

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Kompetenzzentrum Ökonomische Bildung

Das Kompetenzzentrum Ökonomische Bildung Baden-Württemberg ist eine Initiative von Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth mit dem Ziel, wirtschaftliche Themen, ökonomische Zusammenhänge sowie unternehmerisches Denken und Handeln an Schulen in Baden-Württemberg zu stärken. Zu den diversen Aktivitäten des Kompetenzzentrums gehören der Würth Bildungspreis, der Landespreis der Werkrealschule, das Führungskräftesymposium, das Wirtschaftspraxisprogramm für Lehrkräfte und die HANDWERKSTATT. Es besteht eine enge Kooperation mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg.