„Fundsachen für Nichtleser“: Sammlung Würth zeigt Aquarelle von Günter Grass
Rund 120 sogenannte Aquadichte des Literaturnobelpreisträgers, Malers und Bildhauers Günter Grass sind ab 30. Januar 2025 in der Hirschwirtscheuer in Künzelsau in der Ausstellung „Fundsachen für Nichtleser“ zu sehen.
Die Originale aus der Sammlung Würth bildeten die Grundlage für das gleichnamige Künstlerbuch, „Fundsachen für Nichtleser“, veröffentlicht 1997. Ein Jahr lang hatte der Weltliterat und Künstler, der das Deutschland der Nachkriegszeit prägte, zuvor mit federleichtem Pinselstrich auf der dänischen Insel Møn und in Portugal seine Gedanken schweifen lassen, „Fundsachen“ aufgezeichnet und mit poetischer Kraft eingefangen: „Meine leeren Schuhe sind voller Reisepläne“, das „Beil im Schuppen war früher dem Henker scharf,“ oder Grillen im grünen Gras, „nachts zirpten sie über all meine Ängste hinweg“.
Aquadichte nannte Grass die mit Wasserfarben illustrierten Arbeiten. Schrieb er doch seine kurzen, lakonischen Verse, zwischen vier und elf Zeilen lang, mit demselben farbigen Pinsel in das Aquarell, mit dem er es gemalt hatte. Bild und Wort, Ästhetik und Inhalt bilden so eine völlig neue Kunstform, in der Aquarell und Lyrik harmonisch miteinander verschmelzen, gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Das Künstlerbuch fokussiert damit auf einen besonderen Aspekt im Schaffen von Günter Grass und hebt seine Doppelbegabung als Schriftsteller und bildender Künstler hervor. In den Aquadichten entfaltet sich die ganze unverwechselbare Bildsprache des Künstlers, der sein bildnerisches Werk auch selbst stets als gleichrangig zu seinem literarischen Schaffen bewertete.
Über Günter Grass
Günter Grass, geboren 1927 in Danzig, verstorben 2015 in Lübeck, gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Gegenwart. 1959 wurde er mit seinem ersten Roman „Die Blechtrommel“ schlagartig international bekannt. Es folgten Romane, Lyrik, Bühnenwerke, Essays und Hörspiele, darunter „Im Krebsgang“ und „Beim Häuten der Zwiebel“, mehrere Werke wurden verfilmt. 1999 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Grass war zudem politisch tätig und als Maler und Bildhauer bekannt. 1947 absolvierte er eine Steinmetzlehre, studierte von 1948 bis 1952 Grafik und Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. Sein ebenfalls hochgelobter Aquarellzyklus „Mein Jahrhundert“, erschienen 1999, fand über Grass’ langjährige Freundschaft mit Reinhold Würth ebenfalls seinen Weg in die Sammlung Würth, die insgesamt 668 Werke des Künstlers verwahrt.
Hirschwirtscheuer, Künzelsau: Günter Grass - Fundsachen für Nichtleser. 30. Januar 2025 bis Winter 2025, Mittwoch bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei www.kunst.wuerth.com
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