12
Februar
2019
|
13:54
Europe/Amsterdam

Neue Ausstellung zu Siegfried Anzinger im Museum Würth

Tiere, Heilige, Madonnen, wilde Männer sowie Frauen in allen Facetten gehören zu den Motiven, die Anzinger immer wieder aufgreift. Das Repertoire speist sich erkennbar aus der Religion und Kunstgeschichte, lässt jedoch deren repräsentative oder symbolische Aspekte außer Acht. Stattdessen zieht der Künstler alle Register der Motivfindung. Mitunter mischt er heiter Ironie mit Provokation, Humor mit Absurdität. So tummeln sich in jüngster Zeit auch Cowboys und Indianer im Bildkanon.

Mit Arbeiten wie den großformatigen Ölgemälden „Mondgeher“ (1982) und „Sie nannten ihn Hund“ (1982) blickt die Ausstellung zurück zu Anzingers künstlerischen Anfängen. Schon damals beginnt er seinen ausdrucksstarken Gemälden und Zeichnungen Plastiken zur Seite zu stellen: skizzenhaft roh gestaltete Figuren aus Terrakotta. Manche führt er später im großen Format aus und gießt sie in Bronze, wie etwa die „Berlinerin“ (1994). In der Malerei balanciert er um die Jahrtausendwende subtil zwischen Gegenstand und Abstraktion, so etwa bei „Oranger Karren“ (1996) und der „Madonna unter dem Bogen“ (1995). In aktuellen Werken vermalt Anzinger ausschließlich Leimfarbe, wie in „Schwarze Wand, gelber Indianer” (2017), bei dem zwischen pastelligen und erdigen Tönen helle Farbtupfer leuchten. Leimfarbe wirkt immer samtig-matt und zurückhaltend, anders als Öl oder Acryl.

Die umfassende Schau „Siegfried Anzinger. Blick zurück und nach vorn“ versteht sich als Neuentdeckung eines Künstlers, der zu den vielseitigsten und prägendsten seiner Generation zählt. In der Sammlung Würth ist er seit fast 30 Jahren vertreten, inzwischen mit rund 150 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen aus den unterschiedlichen Werkphasen.

Biografisches zu Siegfried Anzinger

Siegfried Anzinger wurde früh erfolgreich. 1953 in Weyer (Oberösterreich) geboren, studierte er in den 1970er Jahren an der Akademie der bildenden Künste Wien. In den 1980ern begründete er die österreichische Gruppe der „Neuen Wilden“, mit der er maßgeblich am Aufbruch der Kunstszene in Österreich beteiligt war. Die Teilnahme an der documenta 7 in Kassel 1982 und der Biennale in Venedig 1988 machte Anzinger weit über Fachkreise hinaus bekannt. Seit 1997 hat er eine Professur für Malerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf inne. 2003 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis für Bildende Kunst, die höchste Auszeichnung für künstlerische Leistungen der Republik Österreich. Siegfried Anzinger lebt und arbeitet in Köln.

Die „Neuen Wilden“

Die sogenannten Neuen Wilden waren eine Generation von jungen Künstlern, die um 1980 in Deutschland und Österreich für eine überraschend heftige Neubelebung der Malerei sorgten. Sie wandten sich gegen die Konzeptkunst. Meist großformatige Bilder zeichneten sich durch kräftige Farbigkeit, gegenständliche Tendenzen und emotionale Gesten aus. Rasch wurde die als heftig und wild betitelte Malerei von der Kunstkritik in die Tradition künstlerischer Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts gestellt, wie Expressionismus oder Fauvismus. Jedoch handelt es sich um ein vielschichtiges und zum Teil widersprüchliches Nebeneinander von malerischen Positionen unterschiedlicher Künstler.

Kunst bei Würth

Kunst und Kultur gehören untrennbar zum Unternehmen Würth. Ob bildende Kunst, Literatur, Musik oder andere Kunstformen: Ihre starke Präsenz ist Ausdruck der Unternehmenskultur. Die enge Verzahnung zeigt sich nicht nur in den Museen vor Ort, wie dem in die Hauptverwaltung integrierten Museum Würth oder der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall, sondern auch in den zehn Kunstdependancen in den Würth Landesgesellschaften in Europa. Exemplarisch seien weiter die über 18.000 Werke umfassende Sammlung Würth, die Würth Philharmoniker, das Würth Open Air und die Würth Literaturpreise genannt.